Bromance and Sisterhood (eine Kooperation mit der Stadtgalerie)

Grand Palais: Reto Müller / Stadtgalerie: Martin Jakob / Vincente Lesser / Vincent Locatelli / Grégory Sugnaux

In «Bormance and Sisterhood» stehen Künstlerfreundschaften und die Lust am zusammenarbeiten im Zentrum. Ausgangspunkt der gemeinsamen Ausstellung der beiden Berner Kunsträume ist die Beobachtung, dass etliche ehemalige Kunststudenten der Ecole cantonale d'art du Valais nach wie vor einen engen Kontakt pflegen, sich gegenseitig unterstützen, kritisieren, weiterbringen.Die Räume der Stadtgalerie werden von Martin Jakob, Vicente Lesser, Vincent Locatelli und Grégory Sugnaux bespielt. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die ähnliche skulpturale Formensprache aus. Alle vier verwenden rohe Materialien aus der Industrie wie beispielsweise Beton, Holz und Metall. Während die Präsentation in der Stadtgalerie mit dem klassischen Format der Skulpturenausstellung spielt, führt der Spannungsbogen im Grand Palais zu einer experimentellen Form:

Fassadenmodell, Schaukasten und Freiluftkino

Reto Müllers Skulpturen wirken als Fassade vor der vom Künstler vorgeschlagenen Kabinettausstellung im Innenraum des Grand Palais. Das denkmalgeschützte Stationsgebäude der Bern-Worb-Bahn am Helvetiaplatz wird – als integraler Teil der Installation – zum Schaukasten auf die Werke von Richard Corre, Walter Maria Förderer, Bernhard Luginbühl und Werner Schwarz.

Dabei weist das Fassadenmodell hin auf die Dissonanz zwischen zukunftsgerichtetem gestalterischen Ausdruck einer Zeit, bei gleichzeitiger Bedrohung eines Kulturdenkmals. Das Idyll des autonomen Werkes scheint gefährdet. 

Reto Müller verweist mit seiner Installation «Potentielle Normaliensammlung – eine Festarchitektur» aus der Serie «Gebilde von hoher Zwecklosigkeit» auf die Themen Wandel und Verdrängung – der damit einhergehenden Vergänglichkeit – und dem Prozess der Erneuerung. Er zieht Verbindungen zwischen der örtlichen Situation am Helvetiaplatz und ihren Architekturen, der Hülle und dem Innen des alten Stationsgebäudes sowie den ausgestellten Werken, die zugleich auch als Erbe, Nachlass und Quellen gelesen werden können. 

Die Arbeiten von Corre, Förderer, Luginbühl und Schwarz lassen sich in diesem Kontext als Stellvertreter verstehen, deren Arbeiten sich thematisch einbetten lassen:

Walter Maria Förderer (1928–2006) war Bildhauer und Architekt, für ihn war Architektur Skulptur. Er lehnte Stilzitate ab und fühlte sich keinem Funktionalismus verpflichtet: «Eigentlich habe ich von Bau zu Bau mehr verwirklicht, was ich mir als ein Gebilde von hoher Zwecklosigkeit erträumt habe.» Der französische Plastiker und Maler, Richard Corre (*1962), schnitzt Figuren aus den Holzbeinen originaler Le Corbusier-Stühlen aus den 1930er-Jahren, die in den 1990er Jahren aus Platzgründen entsorgt wurden. Der Kurzfilm «Ritsche-Ratsche» des Eisenplastikers Bernhard Luginbühl (1929–2011) kämpft gegen das Verschwinden von alten Häusern und dem Wandel, dem architektonische Strukturen unterworfen sind. Dem Künstler Werner Schwarz (1918–1994) diente eine kleine, einfache Holzbude in Schliern bei Köniz als Atelier. Sie behauptet sich noch heute als kleine Insel gegen die strukturellen und architektonischen Veränderungen, die während Schlierns Wandel vom Dorf zur Agglomeration entstanden. 

«In letzter Zeit wurden für meine eigenen Arbeiten die klassischen Beispiele einer Fest- und Triumpharchitektur immer wichtiger. Feste sind Gesamtkunstwerke. Festarchitekturen lese ich als bewusste Behauptung des Idealen im Realen. Als Träger dieser utopischen Ideen sind sie Versuchsfelder der Architekten und Künstler, in dem sie ihrem Inszenierungsanspruch freien Ausdruck geben können vor der geforderten Manifestation von Macht. Dies ist ein Feld im dem sich die Grenzen von Architektur und Kunst zu einer neuen Sprache verbindet.»

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