Reto Müller (CH)

Fassadenmodell, Schaukasten und Freiluftkino

Verlängerung des «Bromance & Sisterhood»-Ausstellungsteils im Grand Palais!

Reto Müllers Skulpturen wirken als Fassade vor der vom Künstler vorgeschlagenen Kabinettausstellung im Innenraum des Grand Palais. Das denkmalgeschützte Stationsgebäude der Bern-Worb-Bahn am Helvetiaplatz wird – als integraler Teil der Installation – zum Schaukasten auf die Werke von Richard Corre, Walter Maria Förderer, Bernhard Luginbühl und Werner Schwarz. Dabei weist das Fassadenmodell hin auf die Dissonanz zwischen zukunftsgerichtetem gestalterischen Ausdruck einer Zeit, bei gleichzeitiger Bedrohung eines Kulturdenkmals. Das Idyll des autonomen Werkes scheint gefährdet. Reto Müller verweist mit seiner Installation auf die Themen Wandel und Verdrängung – der damit einhergehenden Vergänglichkeit – und dem Prozess der Erneuerung. Er zieht Verbindungen zwischen der örtlichen Situation am Helvetiaplatz und ihren Architekturen, der Hülle und dem Innen des alten Stationsgebäudes sowie den ausgestellten Werken, die zugleich auch als Erbe, Nachlass und Quellen gelesen werden können. Die Arbeiten von Corre, Förderer, Luginbühl und Schwarz lassen sich in diesem Kontext als Stellvertreter verstehen, deren Arbeiten sich thematisch einbetten lassen:
Walter Maria Förderer (1928–2006) war Bildhauer und Architekt, für ihn war Architektur Skulptur. Er lehnte Stilzitate ab und fühlte sich keinem Funktionalismus verpflichtet: «Eigentlich habe ich von Bau zu Bau mehr verwirklicht, was ich mir als ein Gebilde von hoher Zwecklosigkeit erträumt habe.» Der französische Plastiker und Maler, Richard Corre (*1962), schnitzt Figuren aus den Holzbeinen originaler Le Corbusier-Stühlen aus den 1930er-Jahren, die in den 1990er-Jahren aus Platzgründen entsorgt wurden. Der Kurzfilm «Ritsche-Ratsche» des Eisenplastikers Bernhard Luginbühl (1929–2011) kämpft gegen das Verschwinden alter Häuser und den Wandel, dem architektonische Strukturen unterworfen sind. Dem Künstler Werner Schwarz (1918–1994) diente eine kleine, einfache Holzbude in Schliern bei Köniz als Atelier. Sie behauptet sich noch heute als kleine Insel gegen die strukturellen und architektonischen Veränderungen, die während Schlierns Wandel vom Dorf zur Agglomeration entstanden. 
Über seine Arbeit schreibt Reto Müller: «In letzter Zeit wurden für meine eigenen Arbeiten die klassischen Beispiele einer Fest- und Triumpharchitektur immer wichtiger. Feste sind Gesamtkunstwerke. Festarchitekturen lese ich als bewusste Behauptung des Idealen im Realen. Als Träger dieser utopischen Ideen sind sie Versuchsfelder der Architekten und Künstler, in dem sie ihrem Inszenierungsanspruch freien Ausdruck geben können vor der geforderten Manifestation von Macht. Dies ist ein Feld im dem sich die Grenzen von Architektur und Kunst zu einer neuen Sprache verbindet.»

 

 

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